Helena 1

24. März 2025

Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda

Die zweite Woche: Dienstag, 25. bis Montag, 31. März 2025

 

Umringt von Motorenlärm und flackernden Gartenfeuern fügten wir uns am Griechischen Nationalfeiertag nahtlos in die hiesigen Gepflogenheiten ein und arbeiteten wie unsere Nachbarn fleißig in Haus und Gemarchung. Schließlich sollte alles für Moni-Omis Besuch vorbereitet sein. Utas Mutter kam am Freitag am Αεροδρόμιο Ελευθέριος Βενιζέλος της Αθήνας an. 

Über Home Exchange hatten wir eine Wohnung im westlichen Stadtzentrum gefunden, in der wir uns gleich am Mittwoch-Abend mit den Künstlerfreunden Holly und Nemo zum Abendessen trafen. Die beiden leben und arbeiten nun schon einige Zeit in Αθήνα, kennen die Stadt aus einer intimen Perspektive und hatten eine Menge zu erzählen. 

Am Donnerstag bewegten wir uns den ganzen Tag hindurch mit Flocke von Grünanlage zu Grünanlage und durchquerten bis hinein ins touristische Stadtzentrum die unterschiedlichsten Wohnviertel, deren Armut und Vermüllung mit jeder neuen Straßenkreuzung kontinuierlich abnahm. Für Uta und mich bildete schließlich der Besuch der Staatlichen Gemäldesammlung den Höhepunkt des Tages, den wir freilich jeweils alleine genossen, da Hunden der Zugang zum Museum verwehrt wird. Endlich lernten wir Gemälde griechischer Künstler kennen (alles Männer …), deren großartige Werke und Namen im restlichen Europa unbekannt sind. Aus Deutschland hatte ich Honoré Daumiers Antike Geschichte mitgebracht, ein Büchlein, das ich seit mehr als 40 Jahren studiere. Eine beachtliche Anzahl der vom Meister geschaffenen Lithografien befindet sich im Besitz der Εθνική Πινακοθήκη.  Leider wird die ersehnte Serie im März 2025 nicht ausgestellt - zugunsten einer anderen hochkarätigen Sammlung, mit der wir uns ebenso gerne auseinandersetzten: die ungeheuerlichen Radierungen des Francisco José de Goya y Lucientes!

Als Moni-Omi am Folgetag spät am Abend in unserer Austausch-Wohnung eintraf, installierten wir uns erst einmal auf der vom Sonnentag erwärmten Terrasse, tranken zu Käse und Brot roten Wein und palaverten bis hinein in die frühen Morgenstunden. Am Samstag dann durchwanderten Uta und ihre Mutter den volkstümlichen Straßenmarkt, erstanden gute Lebensmittel und sahen großzügig über den allgegenwärtigen Verpackungsmüll hinweg, der Straßen und Plätze bedeckt. Inmitten des Gestanks, des Motorenlärms und der Müllhalden, die uns die wahre Pandemie unserer Zeit, der Konsumwahn, beschert, leben Millionen Menschen ihr ganz normales Leben. Und die blühenden Orangenbäume legen ihren betörenden Duft über das Elend der Straße.

Vorgestern kamen wir zurück in die Máni. Regenschauer in Arkadien, dann theatralische Wolkentürme über der Ionischen See. Mit Anbruch der Dunkelheit die Gesänge der Schakale in den Hügeln hinter dem Häuschen. Beim Morgenspaziergang am Sonntag entlang der vielfarbigen Blumenfelder begleiteten uns vibrierende Schwärme brauner Libellen. Nun kehrt wieder Alltag ein. Die üblichen Rhythmen gliedern den Tag, angereichert vom Klingen einer dritten Stimme, die kommentiert und erzählt aus einem langen, langen Leben.

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