Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda
Die erste Woche: Montag, 17. bis Montag, 24. März 2025
Aufbruch am Donnerstag, morgens im Regen. Die Bremsen unseres zerbeulten Citans waren am Vortag gerade noch rechtzeitig repariert worden. In Verona hielten wir für zwei Nächte, um der Künstlerfreundin Gabriella Costanzi einen Besuch abzustatten. Sie beschenkte uns mit einer dichten Mischung aus warmherziger italienischer Gastfreundschaft, engagierten Gesprächen über Kunst und Gesellschaft und dem Besuch eines nahegelegenen Hypogäums. In dem im dritten nachchristlichen Jahrhundert christianisierten und mit eindrucksstarken Fresken ausgemalten Nymphenheiligtum kamen wir schon in Italien direkt mit der griechischen Kultur in Kontakt. Am Abend des 15. März bestiegen wir dann in Ancona die Fähre nach Igoumenítsa. Die See blieb ruhig, sodaß ich auf dem Schiff mit dem Schreiben beginnen konnte. in Griechenland, so meine Wunschvorstellung, werde ich jeden Tag einige Stunden an meinen Manuskripten arbeiten.
Am Sonntag erreichten wir das griechische Festland im Abendlicht; Uta, ausgeschlafen und ungeduldig, legte die restlichen 550 Kilometer bis Rígkia an einem Stück zurück. Den neuen Tag durften wir dann auf dem Balkon über dem nachtfrischen Blütenduft der Orangenbäume begrüßen.
Ohne spürbaren Übergang fügen wir uns in die wohlbekannten Rhythmen: Aufstehen mit der Sonne - Arbeiten im Garten - Wandern mit Flocke am Strand - Frühstücken auf dem Balkon - Arbeiten im Haus - dann Malen und Schreiben bis zum gemeinschaftlichen Bewundern des Sonnenuntergangs. Und dann: Kochen.
Uta nimmt bereits am ersten Tag Kontakt mit der Nachbarschaft auf. Die albanische Großmutter ist gestorben. Sie war immer eine der ersten, die den wilden Spargel erntete. Vor der Einfahrt weidet ein Mutterschaf mit seinem Lamm. Am Mittwoch besteigt Uta den Bus nach Kalamáta, um den großen, bunten Lebensmittelmarkt zu besuchen.
Am nächsten Tag dann eine Videokonferenz mit Eric Schaftlein; wir organisieren gemeinsam die laufenden Projekte der AiM-Gruppe.
Tatsächlich erfüllen sich meine Wünsche. Ich finde genügend Zeit für das Entwerfen neuer Förderanträge, für das monatliche Informationsschreiben der Künstlervereinigung Murnau und für das Arbeiten an meinen Manuskripten.
Daneben habe ich einen neuen Gemäldezyklus begonnen. Auf der Grundlage eines Textes des Dichters Jannis Ritsos, in dem ich gerade lese, interpretiere ich die mythologische Figur der Helena. Genau wie ihre Geschwister, die Dioskuren, war Ἑλένη vor rund 3200 Jahren in unserer Bucht auf dem Inselchen Pephnos aus einem Ei geschlüpft. Ein erstes Bild werde ich heute Abend auf meine website stellen.
Nun schneide ich noch in Ruhe Knoblauch und Zitronen. Vom Balkon herunter überblicke ich die Weite der Olivenbäume und bemerke, wie das Meeresrauschen an Fahrt aufnimmt. Zugleich singen Amseln, Mönchsgrasmücken und die Meisen den Sonnenuntergang herbei. Aus den dichtgrünen Wogen des Ziegenklees meldet sich wippend der Kamm des Wiedehopfs.
Überall brennen kleine Feuer. Viele der Nachbarn sind damit beschäftigt Haus und Garten für morgen herzurichten, für den Griechischen Nationalfeiertag.
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